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Verbundvorhaben SW-Agent: Die Rolle von Stadtwerken in der Energiewende - eine agentenbasierte Simulation der Interaktion und Akzeptanz der kommunalen Akteure

SW-Agent ist ein Verbundprojekt der TU Berlin und der Universität Hohenheim in Kooperation mit den Praxispartnern BIG-STÄDTEBAU, KoM-SOLUTION und Stadtwerke Tübingen. Das Projekt unter-sucht, welche neuen Geschäftsmodelle sich Stadtwerke (und Energieversorger im weiteren Sinne) erschließen können, um die Energiewende mitzugestalten und sich zugleich fit für ein verändertes Marktumfeld zu machen. Neben konkreten Business Cases werden speziell die Interaktion der betei-ligten kommunalen Akteure und die öffentliche Akzeptanz untersucht. Die empirischen Arbeiten münden in die Erstellung eines Computermodells, welches Einflüsse von Marktvariablen und politi-schen Rahmenbedingungen auf bestehende und neue Stadtwerksgeschäfte abbildet. Dabei kommen sowohl auf empirischer Seite mit dem akteursbezogenen Ansatz als auch auf theoretischer Seite mit der agentenbasierten Modellierung Methoden zum Einsatz, welche die Heterogenität und Individua-lität der beteiligten Akteure und die dadurch verursachte Komplexität in den Mittelpunkt stellen. So ist auch das Projektakronym zu verstehen: SW-Agent – agentenbasierte Simulation von Stadtwerken.
Die empirischen Ergebnisse belegen, dass Stadtwerke durchaus auf der Suche nach neuen Geschäfts-feldern sind – berechtigterweise, denn die Rentabilität im angestammten Geschäft sinkt seit Beginn der Energiewende und die Unsicherheit nimmt zu. Die Innovationsdynamik ist allerdings fraglich. Die große Mehrzahl der bislang zu beobachtenden Innovationen entfällt auf Verbesserungsinnovation im angestammten Geschäftsfeld. Grundsatzinnovationen in der bekannten Branche (beispielsweise Elektromobilität, Energiedienstleistungen etc.) finden ebenfalls in vielfältiger Ausprägung statt, las-sen jedoch in vielen Fällen jenseits des Pilotstadiums noch kein klares, selbsttragendes Geschäftsmo-dell erkennen. In neuen Branchen und Geschäftsfeldern außerhalb des angestammten Energiege-schäfts, beispielsweise im Bereich der Gesundheitsservices, finden noch fast gar keine Innovationen statt, obwohl hier erhebliches Potenzial liegen könnte. Bei jeder weiteren Geschäftsfeldentwicklung sind Stadtwerke gut beraten, sich auf ihren Markenkern zu besinnen, der in unseren Erhebungen klar zum Ausdruck kommt: Sicherer Infrastrukturbetrieb ist eine „stille Kernkompetenz“; Regionalität ist das Alleinstellungsmerkmal; Servicequalität, Vertrauen und Kundennähe sind die Ankerpunkte des Stadtwerke-Wertversprechens. Mit Blick auf die Kundenerwartungen zeigt sich, dass zum klassischen energiewirtschaftlichen Zieldreieck – Versorgungssicherheit, Preiswürdigkeit, Umweltverträglichkeit – eine vierte, soziale Dimension hinzugetreten ist, die über den oft diskutierten Begriff „Akzeptanz“ hinausragt: Kunden und Bürger verlangen partizipative Angebote in der Energieversorgung.
Die agentenbasierte Modellierung konnte methodologisch gezielt in Kombination mit den empiri-schen Erkenntnissen aus den Befragungen angewendet werden. Im Modell wurden in einer Pilotstu-die Zusammenhänge im Wettbewerb zwischen Stadtwerken und anderen Energieversorgern näher betrachtet. So wurden z. B. die in Umfragen identifizierten und getesteten regionalen Präferenzen von Haushalten in die Entscheidungsregeln der Agenten zur weiteren Analyse ihrer Auswirkungen in der Simulation übernommen. Die Ergebnisse deuten zum einen darauf hin, dass starke regionale Präferenzen von Haushalten einen komplexen und sich auf der Makroebene auswirkenden Einfluss auf Endkundenpreise haben. Stadtwerke-Agenten in der Simulation mussten Preisstrategien verfol-gen, die ihre unmittelbar naheliegenden Kunden auch bedienten und mussten diese – mit dem An-reiz, im liberalisierten Strommarkt in externe Gebiete vertrieblich zu expandieren – gegeneinander abwägen. Die nichtlineare Steigung von Vertriebsmargen im Modell bestätigte die gleiche Entwick-lung für Haushalte seit der Liberalisierung in der realen Wirtschaft. Die Simulationsergebnisse erlau-ben es Entscheidungsträgern in der Politik, die Rolle der relativ niedrigen Akzeptanz von Haushalten für externe Stromversorger im liberalisierten Strommarkt besser zu verstehen und die entsprechen-den Auswirkungen im
Laufzeit
01.05.2013 31.05.2016
Sprache
deutsch
Fachgebiet
Volkswirtschaftslehre
Mittel