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Stabilisierung, Risikoteilung und Schuldentragfähigkeit: Fiskalföderale Architekturen bei strategischer Anreizwirkung in Währungsunionen

In nahezu allen Staaten mit mehreren Regierungsebenen existieren zwei zentrale fiskalische Instrumente: Transfersysteme, die Ungleichgewichte zwischen Regionen korrigieren und wirtschaftliche Schwankungen abfedern sollen, sowie Verschuldungsgrenzen, die übermäßige Staatsdefizite verhindern sollen. Zwischen beiden besteht ein grundlegendes Spannungsverhältnis: Transfers ermöglichen zwar die Stabilisierung bei wirtschaftlichen Schocks, schaffen aber Fehlanreize für die Haushaltsdisziplin. Verschuldungsgrenzen begrenzen zwar exzessive Defizite, schränken jedoch den Spielraum für notwendige Stabilisierungsmaßnahmen ein. Dieses Spannungsverhältnis zeigt sich aktuell an der Reform der deutschen Schuldenbremse, der Aussetzung europäischer Fiskalregeln sowie den Debatten über europäische Stabilisierungsmechanismen.

Die bisherige makroökonomische Forschung behandelt fiskalische Transfers und Verschuldungsgrenzen weitgehend getrennt. Insbesondere fehlen quantitative Analysen, die das strategische Verhalten regionaler Regierungen – bei der Steuersetzung oder der Ausgabenpolitik – unter verschiedenen fiskalföderalen Strukturen und Verschuldungsregeln systematisch untersuchen. Damit bleibt offen, wie die Wechselwirkung beider Instrumente die wirtschaftliche Stabilisierung, die Risikoabsicherung zwischen Regionen und die langfristige Tragfähigkeit öffentlicher Schulden beeinflusst.

Das Forschungsvorhaben schließt diese Lücke, indem es in einem quantitativen makroökonomischen Modellrahmen analysiert, welche Anreize fiskalföderale Strukturen und Verschuldungsgrenzen für die Fiskalpolitik in einer Währungsunion setzen. Im Mittelpunkt steht, wie verschiedene Transfersysteme und Schuldenregeln das strategische Verhalten der beteiligten Regionen beeinflussen und welche Rückwirkungen auf Stabilisierung, Risikoteilung und Schuldentragfähigkeit entstehen. Das Projekt gliedert sich in drei Arbeitspakete: Zunächst werden die Anreizwirkungen verschiedener Transfersysteme untersucht, anschließend die Effekte unterschiedlich ausgestalteter Verschuldungsgrenzen analysiert und abschließend beide Instrumente zusammengeführt, um eine fiskalföderale Architektur zu charakterisieren, die Stabilisierung und Risikoteilung bei gleichzeitiger Schuldentragfähigkeit ermöglicht.

Das Vorhaben leistet damit einen substanziellen Beitrag zur Operationalisierung der Theorie des Fiskalföderalismus für die quantitative makroökonomische Analyse. Durch die gemeinsame Untersuchung strategischer Anreize, fiskalföderaler Transfermechanismen und Verschuldungsgrenzen in einem integrierten Modellrahmen werden Wechselwirkungen quantifizierbar, die bislang weitgehend unberücksichtigt geblieben sind. Die Ergebnisse ermöglichen fundierte Aussagen darüber, unter welchen Bedingungen Transfersysteme und Verschuldungsregeln einander ergänzen oder ersetzen können, und liefern damit eine belastbare analytische Grundlage für aktuelle Reformdebatten zum europäischen Fiskalrahmen und zur deutschen Schuldenbremse.
Laufzeit
01.12.2026 – 30.11.2029
Sprache
deutsch
Fachgebiet
Volkswirtschaftslehre
Mittel